Immer wichtiger und damit auch immer brisanter wird die Frage nach Einnahmequellen für die Websites, da die einzelnen Seiten zwar mehrere Millionen User, aber dafür nur sehr dürftige Einnahmen verbuchen können. Die Site Xing, welche sich vorrangig an geschäftliche Kontakte hält, bietet ihren Usern einen Premiumaccount gegen Bezahlung an und 8 Prozent aller Mitglieder nutzen dies auch. Da sich Xing aber auf eine spezielle Sparte, nämlich die beruflichen Interessen und Kontakte, beschränkt, ist auch deren Zielgruppe eine sehr ausgewählte. Ein ähnliches Modell für Facebook oder studiVZ ist daher undenkbar. Erstens findet man hier vornehmlich sehr junge User und zweitens sind die gepflegten Kontakte eher privater Natur und daher tendiert die Bereitschaft, für den Dienst zu zahlen, gegen Null. Unbestritten ist hingegen die Tatsache, dass Social Networks eine ungeheure Popularität in den letzten Jahren entwickelten. Weltweit haben 64 Prozent aller Internetnutzer ein persönliches Profil und vernetzen sich virtuell mit Freunden und finden alte Bekannte wieder.
studiVZ erkannte die bittere Wahrheit
Im Jahre 2007 wurde die Seite von der Holtzbrinck-Verlagsgruppe übernommen und man erhoffte sich aufgrund der explodierenden Userzahlen großen betriebswirtschaftlichen Erfolg. Schmerzlich erkennen musste man wenig später, dass die Seite kaum Gewinn abwirft, also setzte man sich noch einmal an einen Tisch und diskutierte eine neue Strategie zur Einnahmenssteigerung. Der erste Schritt in diese Richtung stellt die Diversifikation des Angebotes dar, also die Teilung in studiVZ meinVZ und schülerVZ, um die Nutzer dort abzuholen, wo sie gerade sind. Viele Nutzer wurden durch den Namen „studiVZ“ abgeschreckt und auch die studentenorientierte Aufmachung verhinderte das Anmelden von Nicht-Studenten. schülerVZ und meinVZ stellen eine wichtige Entwicklung dar und ermöglichen nun ein lückenloses VZ für alle Alters- und Ausbildungsschichten. Nach diesem ersten Schritt, erklärt Karoline Simonitsch, Expertin für New Media, werde man das Nutzerverhalten der User genau analysieren und auf Basis dessen weitere Maßnahmen entwickeln. Mit keinem anderen Medium können Nutzerverhalten und Nutzungspräferenzen so gut gefiltert werden wie mit Social Network Sites, da die User die Informationen nicht für ein Unternehmen preisgeben sondern bloß ihre Freunde über ihre Vorlieben informieren möchten. Diese Freizügigkeit machen sich Marketing-Experten zu Nutze und können die Werbung dem Kunden passgenau auf den Leib schneidern.
Zuckerseiten von Facebook
Sehr beliebt sind bei Facebook die innovativen Applikationen, also verschiedene Spiele und Anwendungen, die auch mit Freunden geteilt werden können. Auf dieser Schiene spielt Facebook alle Stückchen und braucht sich kaum vor Konkurrenz zu fürchten. Wichtig zur Unterstreichung der Seriösität ist die Aufforderung, sich mit seinem richtigen Namen anzumelden. Es gibt sogar eine automatische Funktion, die bei Verdacht auf einen Fakename die Anmeldung verweigert. User mit wahrhaftigen, aber ungewöhnlichen Namen hatten bereits ihre liebe Not mit der Sperre, die verhindern soll, dass sich User mehrmals und unter falschem Namen anmelden. Misses Alicia Istanbul oder auch Misses Robin Kills The Enemy (kein Witz, die Dame trägt einen Namen der Native Americans) mussten ihre Identität nachweisen, um weiterhin facebooken zu dürfen.
MySpace am absteigenden Ast
Als einer der ersten wahrgenommenen und populären Social Networks wurde MySpace als zukünftiger Spitzenreiter in Sachen Memberzahlen gehandelt. In USA neben Facebook die erfolgreichste Seite, konnte sich MySpace im deutschsprachigen Raum nur schwer durchsetzen. Als Gründe werden die Unübersichtlichkeit und die Spam-User genannt, denn im Gegensatz zu Facebook meldet man sich bei MySpace mit einem Fantasienamen an, während bei Facebook der Großteil der User mit dem richtigen Namen registriert ist. Als Dorn im Auge wurde bei MySpace auch die individuelle Gestaltung des eigenen Profils gesehen, da sich das als sehr verwirrend herausstellte. Hier gibt man der Übersichtlichkeit gegenüber dem individuellen Kreativitätssinn den Vorrang. Zur Sammelstelle für Kreative und Musiker geworden, strömten die Massen zu Facebook.
MySpace wird nun als „Zombie 2.0“ betitelt, welches die Userzahlen bloß aus den Unmengen an Karteileichen bezieht. Eine positive Wende für die Seite im deutschsprachigen Raum ist bis dato nicht zu erwarten.
Twitter hat es schwer
Ebenso Durchsetzungsschwierigkeiten bei uns hat die Gezwitscher-Seite. Der Microblogging-Dienst ist für viele neue User nicht zu durchschauen obwohl die Seite an sich sehr sympathisch und einfach aufgebaut ist. Viele geschäftliche und werbende Botschaften schrecken die „nur“ privaten Nutzer ab und verhindern ein weiteres Auseinandersetzen mit der Seite. Aufgrund des ersten Anscheins der bloß beruflichen Interessen, wirkt die Seite uninteressant für private Botschaften und man fühlt sich mit seiner Message à la „Ich esse gerade ein Wurstbrot“ mehr als fehl am Platze, obwohl genau diese inhaltlich wie sprachlich eher wenig wertvollen Nachrichten gang und gäbe auf Facebook sind. Aufgrund der großen Popularität in den USA hat die Seite Mitgliederzahlen von 20 Millionen zu verbuchen, und verweilt damit noch vor studiVZ mit 15 Millionen Mitgliedern. Facebook rangiert mit über 300 Millionen Usern an der absoluten Social Network Spitze.
Fazit
Die Netzwerke bieten neue Methoden des Marketings und zeigen innovative Möglichkeiten der Gewinneinnahme auf, denn sie entwickeln sich zu unverzichtbaren Medien in der Internet-, Marketing- und auch der privaten Welt. Nun liegt es an den Plattformen, diese Möglichkeiten auszuschöpfen und ihre Websites gewinnbringend zu vertreiben. Aber alle User können beruhigt sein: Die Nutzung der Seiten wird weiterhin kostenlos bleiben.