Durch ein kürzlich veröffentlichtes Plug-In von Google für den Internet Explorer hat der Suchmaschinenriese einen offenen Streit mit Microsoft provoziert. „Google Frame“ soll den IE schneller und sicherer machen, gegenteiliger Meinung ist Microsoft. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass schon die Entwicklung des Internet Explorers mit Problemen verbunden war.
Tim Berners-Lee hat sich bereits daran gewöhnt, dass sein Name wohl nie der breiten Masse bekannt werden dürfte. Der britische Informatiker und Physiker hat mehrere Ehrendoktortitel, wurde von der Queen in den Ritterstand gehoben, ist Mitglied der Royal Society und lebt trotzdem still und zurückgezogen in den USA. Tim Berners-Lee hat das Internet erfunden, oder zumindest salonfähig gemacht. Er setzte „Links“ in seinem Hypertext-System gezielt ein um Seiten zu verknüpfen und baute auf einem NeXT-Server im Schweizer Forschungszentrum CERN die erste Website http://info.cern.ch auf, die heute nur mehr als Kopie existiert (siehe http://www.w3.org/History/19921103-hypertext/hypertext/WWW/TheProject.html). Seit Berner-Lees erster Webseite hat sich das Internet zu einem gigantischen Netzwerk entwickelt, dass aktuell nach Schätzungen der United Nations Statistic Division etwa 1,5 Milliarden Nutzer zählt. Hätte Bernsers-Lee seine Idee patentieren lassen, wäre er nun vermutlich Multimilliardär. So aber stellte er das System anderen zur freien Weiterentwicklung zur Verfügung, der Rest ist Geschichte. Heute ist Tim Berners-Lee Direktor der W3, einer Organisation die die zahlreichen Entwicklungsvorschläge für das Web in eine gemeinsame Richtung zu lenken versucht. Dass dies ein schwieriges Unterfangen ist zeigt sich nicht zuletzt durch Kompatibilitätsprobleme der HTML-Erweiterungen wie Javascript zu Browsern oder die Trägheit der Softwaregiganten wie etwa Microsoft. Denn obwohl Bill Gates sein Unternehmen durch geschickte Verträge zu einer weltweiten beinahe-Monopolstellung verhalf, schien er die rasante Entwicklung des Webs grob zu unterschätzen. Die Folge daraus war, dass Microsoft erst 1995 in Eile den „Microsoft Internet Explorer“ entwickelte und dafür sogar auf Lizenzen eines Drittunternehmens zurückgreifen musste.
Microsoft über Google-Plug-In verärgert
Obwohl sich der Internet Explorer dank Windows schnell verbreitete, war und ist das Programm gegenüber Konkurrenten immer einen Schritt zurück geblieben. Besonders die Version 6 des IE war wegen der exorbitant hohen Anzahl an gravierenden Sicherheitslücken für Hacker ein Grund zum jubilieren und führte dazu, dass Microsoft ein eigenes Entwicklerteam auf die Beine stellte, um die Mängel zu beheben. Nicht zuletzt durch den schwächelnden Internet Explorer schafften es Konkurrenten wie Mozilla mit eigenen Browsern dem Microsoft-Programm ernsthaft Probleme zu bereiten. Die Marktallmacht von Windows hat aber früh dazu geführt, dass viele Programme auf Basis des Internet Explorers erstellt wurden und daher ein Umstieg für viele Firmen nur schwer möglich ist. Genau hier kommt nun Google ins Spiel und bietet nun ein neues Plug-In mit dem Namen „Chrome Frame“ an, um dem Internet Explorer HTML v5.0-Technologien wie canvas-Tags oder CSS-Rendering-Features beizubringen. Diese für Microsoft äußert provokative Aktion soll wohl auch ein Art Befreiungsschlag Googles sein. Nachdem sich der hauseigene Browser Chrome nach wie vor nicht durchgesetzt hat und bei den Nutzungszahlen weit hinter IE oder FF liegt, versucht man nun Google-Technologien direkt in den Hauptkonkurrenten zu injizieren. Microsoft konterte prompt und meinte, das Plug-In würde die Sicherheit des Internet Explorers unnötig gefährden. Innerhalb kürzester Zeit antwortete Google auf den Vorwurf und legte Testberichte über den dank Google-Technologie bis zu 10-mal schnelleren und auch sichereren Internet Explorer vor.
Google will schnellen IE
Mit dem Plug-In-Streit wagte sich Google weit in die Löwengrube des Softwareriesen vor. Grund dafür ist mit Sicherheit auch die in wenigen Wochen geplante Veröffentlichung von Google Wave für Testpersonen. Laut Google wird Wave auf den veralteten aber noch weit verbreiteten Internet Explorer 6 und auch 7 nicht oder falsch dargestellt. Hierbei wird klar, welche Bedeutung Google seinem Wave-Projekt beimisst. Da das Hauptaugenmerk des Suchmaschinenriesen in erster Linie immer noch bei Web-Anwendungen liegt, ist es für das Unternehmen wichtig, dass seine Programme schnell und einfach erreicht werden können. Das der Internet Explorer Google dabei ein Dorn im Auge ist, wird spätestens dann deutlich, wenn man bedenkt, dass im Internet Explorer 8 im Gegensatz zur Konkurrenz HTML5-Tags wie <video> oder <audio> immer noch nicht unterstützt werden. Aber vielleicht ist es sogar Teil der Microsoft’schen Taktik, keine Neuerungen zu implementieren um Google den Wind aus den Segeln zu nehmen…
Verfasst von Christian Vorhemus