Holly war in der Schule eine typische Außenseiterin. Mitschülerinnen quälten sie so lange, bis sie die Schule wechselte, doch auch das brachte keine Besserung. Drohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen über das Internet lassen das junge Mädchen verzweifeln und treiben sie schließlich in den Tod. Die Frage, ob Holly überhaupt Hilfe bei den Eltern, der Schule oder Polizei gesucht hatte oder ob alle Gegenmaßnahmen einfach wirkungslos waren, bleibt ungelöst.
Schutzlos ausgeliefert
Das Gefährliche an dieser neueren Form des Mobbings, auch Cybermobbing genannt, ist die schutzlose Internetwelt, über die die Attacken stattfinden. Die verbalen Angriffe sind nicht nur für das Opfer sondern auch, und das durchaus gewollt, für den Rest der Community im besten Falle oder für den Rest der Welt im schlechtesten Falle zu lesen. Daher kommt es auch zu Anstachelungen und Angriffen von Personen, die von Anfang an noch gar nicht an dem Mobbing beteiligt waren. Die Zahl der Beschimpfungen und der Beleidigungen nimmt täglich zu, das ohnehin schon schwache Selbstbewusstsein weiterhin ab.
Außenseiter wollen dazugehören
Viele fragen sich, warum Betroffene ihr Profil nicht einfach löschen oder sich anonym anmelden, doch diese Frage ist mit dem Stichwort „Zugehörigkeit“ beantwortet. Gerade junge Menschen, die in der Schule ausgegrenzt werden und wenig Freunde haben, wollen die aktuellen Trends mitmachen und dabei sein. In Amerika, und nicht nur dort, ist ein nicht vorhandenes Facebook-Profil ein gleichwertiger Grund für Mobbing wie eine Tasche in der falschen Farbe oder Kleidung vom Discounter. Das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung und Dazugehörigkeit sind oft der Grund für Profile bei Facebook oder MySpace, auch wenn diese zu noch mehr Terror führen. Ein weiterer wichtiger Fakt ist die scheinbare Anonymität der Angreifer. Via Internet gehen böse Worte vielfach leichter über die „Lippen“ als das im realen Leben der Fall ist. Über namenlose Profile fühlen sich Täter sicher, sie bedrohen und quälen ihr Opfer ohne Rücksicht. Mittlerweile ist es aber problemlos möglich, ein Profil auf den Computer und demnach auch auf den Verfasser der Mitteilungen zurückzuführen. Derartige Maßnahmen und die Konsequenzen werden auch im Fall von Holly G. noch erwartet.
Der erste Fall von Internetmobbing
Holly G. ist leider nicht das erste Opfer von Cybermobbing. Im Oktober 2006 wurde der tragische Fall rund um eine 49-jährige überfürsorgliche Mutter und die 13-jährige Megan M. bekannt. Megan und die Tochter der der späteren Mobberin waren gut befreundet bis es zum Ende der Freundschaft kam und die Tochter ihrer Mutter zu beklagen hatte, wie gemein sich Megan verhalten hätte. Racheerfüllt meldete sich die Mutter unter einem falschen Namen bei Facebook an, sie gab sich als 16-jähriger Junge namens Josh aus. „Josh“ nahm mit Megan Kontakt auf und flirtete heftig mit ihr, bis sich das junge Mädchen in ihre Internetbekanntschaft verliebte. Die beiden blieben einige Wochen in ständigem E-Mail-Kontakt und das scheue und zurückhaltende Mädchen legte immer mehr Kraft in die Beziehung zu ihrem vermeintlichen Freund. Nach wochenlangem intensiven Kontakt begann „Josh“ beleidigende Mails an Megan zu schicken, die Mutter erzählte in der Schule brisante Details aus Megans Leben und machte sie zum Gespött. Sie schickte wütende E-Mails und beschimpfte das Mädchen, als krönenden Abschluss landete eine Mail mit dem Inhalt „Ohne dich wäre die Welt schöner“ in ihrem Postfach. Wenig später fand man Megan – sie hatte sich in ihrem Zimmer erhängt.
Web 2.0 – Die Kehrseite der Medaille
Das Internet bietet nicht nur Vorteile, Innovationen, Erleichterungen und positive Fortschritte. Virtuelle Vernetzung von Jedem mit Jedem bringt auch negative Entwicklungen ans Licht. Genannt sollen an dieser Stelle Stichwörter wie Cyberkriminalität oder Cyberwar werden. Cybermobbing stellt eine massive Bedrohung, nicht nur für Schüler sondern für jeden, der sich am Web 2.0 beteiligt, dar. Es muss endlich eine gesetzliche Regelung geben, die für virtuelle Mobbingangreifer harte Strafen vorsieht. Die Opfer sind den Bedrohungen, Beschimpfungen, Beleidigungen und Quälereien schutzlos ausgeliefert. Oft trifft es ohnehin diejenigen, die wenig Selbstbewusststein haben und in der Gesellschaft noch nach Anschluss suchen. Gerade bei diesen Menschen können derartig massive Angriffe tragische Folgen haben.