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iSchool: Notebooks im Unterricht
09.09.2009 12:17
Universitäten, Fachhochschulen und nun auch die Telekom bieten für Schüler bzw. Studenten Notebooks an, die möglicherweise gar nicht so günstig sind wie es scheint. Davon abgesehen stellt sich auch die Frage, inwieweit Laptops im Unterreicht sinnvoll genutzt werden können.

A1 war der erste Mobilfunkbetreiber Österreichs, der den Boom der Mini-Notebooks ausnutzte und das Netbook Q10-Air mit Vertrag augenscheinlich verschenkte. Dass sich der Betreiber die Kosten für das Gerät über die 24 Monate Mindestvertragsdauer locker wieder hereinholte störte nicht weiter, immerhin war es zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ein gutes Gefühl, etwas „geschenkt“ zu bekommen. Auch die Telekom schlägt nun in dieselbe Kerbe und bietet passend zum Schulstart ein Notebook für Schüler und Studenten mit Breitband-Internetzugang für nur 149€ an. Der „Education-Laptop“, so der Projektname, beinhaltet dafür ganz ordentliche Hardware: 320GB Speicherplatz dürften für Schüler ausreichen, der Intel Celeron T-3000 Prozessor mit 1,8 Ghz könnte bei anspruchsvollen Spielen zwar zu Problemen führen, ein Arbeits-PC kommt aber auch damit aus. Auch der 15,6 Zoll Monitor und die 2GB Arbeitsspeicher garantieren flüssiges Arbeiten. Die Telekom-Aktion, die sogar vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur unterstützt wird, wäre also ein gutes Angebot – wenn da nicht die Mindestvertragsdauer von 36 Monaten wäre. In diesem Zeitraum muss einer der Telekom-Tarife aonBreitband-Duo, aonKombi oder aonSuperKombi genutzt werden – und das für mindestens 29,90€ im Monat. Auf 36 Monate hochgerechnet macht allein der Breitbandtarif etwa 1076€ aus, mit dem Notebook kommt man auf 1225€. Zwar kann der Vertrag frühzeitig unterbrochen werden, allerdings wird dann eine Abschlagszahlung von 180€ fällig. Christian Bauer, Marketingleiter der Telekom, verteidigt die 3-jährige Vertragslaufzeit mit den hohen Hardwarekosten, die so abgedeckt werden. Klarerweise bekommt man keinen Laptop für 149€, die Preise für das Gerät zu erhöhen und dafür die monatlichen Internet-Kosten zu senken würde auch niemandem von der Telekom in den Sinn kommen, denn dann würde das Lockangebot nicht mehr funktionieren.
Eine simple Rechnung zeigt schnell, dass die Telekom-Aktion nicht unbedingt ein Schnäppchen ist: Das Samsung R610-Aura T3400 Belen-Notebook beispielsweise ist bereits ab 670€ zu haben. Mit an Board sind ebenso wie beim Q16 eine 320GB-Festplatte, dafür 3GB Arbeitsspeicher und ein Intel Pentium T3400 mit 2,1 GHz. Der Breitband-Tarif von 3 etwa, „3Data 3GB“ kostet 9€ im Monat mit 3 Gigabyte Guthaben pro Monat und 2 Jahre Vertragsbindung. In drei Jahren würden also 324€ an 3 gehen, zusammen mit den Samsung-Notebook würde das Paket 994€ kosten – deutlich unter dem Telekom-„Schnäppchen“. Zwar sind beim Q16 Notebook auch Microsoft Office und einige andere Software wie „Virtual Earth“ oder „Worldwide Telescope“ dabei, allerdings kann man sich diese Programme kostenlos herunterladen, Office Ultimate 2007 (mit allen wichtigen Programmen, von Access über Excel bis Word) für Studenten kostet nur mehr 52€ und kann somit auch nicht den hohen Preis der Telekom rechtfertigen.
 
Wiki ersetzt den Lehrer?
 
Die nicht zu unterschätzenden Kosten des Education-Laptops könnten möglicherweise in einem anderen Licht betrachtet werden, wenn Notebooks generell in Schulen zur Verwendung kommen. Derzeit besitzen zwar praktisch alle höheren Schulen Österreichs und sogar schon viele Volksschulen Computerräume, über eine Einführung der elektronischen Helfer in den Klassenräumen abseits des Informatik-Unterrichts wurde bisher aber kaum diskutiert. In Ländern wie Frankreich oder den USA wurden entsprechende Projekte schnell wieder aufgegeben. Die Schüler wären zu abgelenkt, der Großteil würde nur Spiele spielen und nicht mitarbeiten, hieß es in einer Aussendung der Lehrer. Davon abgesehen wird vor allem die Möglichkeit kritisiert, dass Programme den Schülern die ganze Arbeit abnehmen könnten: Mit „Mathematica“ ließen sich komplexe mathematische Probleme lösen, der Schüler müsse nur die eine oder andere Variabel ändern – aber dabei nicht mehr denken. Vielleicht steht hinter der eher abneigenden Haltung der Lehrer aber auch ein bisschen Angst vor dem Verlust der Autorität: Denn ein Blick der Schüler in Wikipedia könnte in kürzester Zeit den Lehrer als Quacksalber entlarven…
Wer noch einen Bildungslaptop der Telekom haben möchte, hat noch bis zum Ende der Aktion am 14. September Zeit. Wer eine Woche wartet und bereits Student ist, kann ab 21. September im Rahmen der u:book-Aktion (www.ubook.at) einen etwas vergünstigten Laptop ohne Breitband-Tarif wählen. Die teilnehmenden Universitäten und Fachhochschulen können auf der u:book-Webseite eingesehen werden.
Verfasst von Christian Vorhemus
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