Vergangene Woche ließ der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) wieder aufhorchen. Neu war die Botschaft nicht (die Telekom Austria sei wieder ungerechtfertigt im Vorteil) und auch das Thema wurde heuer schon einmal durchgenommen. Es geht um die Förderung des Breitbandausbaus mittels öffentlicher Gelder, die den Festnetzbetreibern in den nächsten Jahren zufließen werden. 15 Mio. Euro überweist die EU nach Österreich, die Bundesregierung legt noch einige Millionen drauf. Diese Gelder müssten "technologieneutral" vergeben werden, fordert der VAT, also auch an Anbieter von mobilen Breitbandnetzen.
"Uns ist die Versorgung des ländlichen Raumes mit leistungsstarken Breitbandnetzen ein besonderes Anliegen. Dabei bietet gerade mobiles Breitband vor dem Hintergrund bevorstehender Technologiesprünge mit deutlich höheren Datenübertragungsraten eine besondere Chance, den ländlichen Raum kostengünstiger und den Bedürfnissen der KundInnen entsprechend zu erschließen", erklärte VAT-Präsident und CEO von Hutchinson3G ("drei") Berthold Thoma bei einer Pressekonferenz.
"Digitale Kluft schließen"
Was heute so verheißungsvoll klingt, hörte sich im April ganz anders an. Da bezog der VAT explizit gegen die Förderung Stellung und bezeichnete sie als "Wettbewerbsverzerrung". "Es ist Erpressung, wenn die Telekom Austria sagt, dass sie nur investieren kann, wenn es Staatsgelder gibt", schimpfte Thoma damals und bezog sich auf das zurückhaltende Engagement der Telekom im Festnetzbereich. Die Privaten hingegen hätten 300 Mio. Euro ohne staatliche Hilfe in ländliches Mobilfunk-Breitband investiert, im Vertrauen darauf, dass sie ihr Geld zurückverdienen können.
Ein halbes Jahr später – die EU hat die Förderungen mittlerweile beschlossen - wird die Aussendung mit "Mobile Breitbandnetze können digitale Kluft schließen“ betitelt, was schon beinahe karitative Züge hat. Vom Geldverdienen keine Rede mehr. Den Kunden käme es letztlich zu teuer, wenn Glasfasern in jedes Dorf gezogen würden. Selbst wenn nach einem erfolgten Vollausbau 50% aller österreichischen Haushalte per Glasfaser Anbindung an das Internet bestellen würden, müsste jeder Haushalt noch immer rund 50 Euro pro Monat für diese Anbindung zahlen, rechnete der VAT vor. Ein Preis, der angeblich heute am Markt nicht zu erzielen sei. Allerdings beweist ein Blick auf die UPC-Site, dass ein Breitbandanschluss (chello classic) auch in Wien derzeit genau soviel kostet.
Zweifelhafte Alternative
Von der Leistung, die ein Festnetz bietet, sind die mobilen Netze derzeit aber noch weit entfernt, und die im Minutentakt schwankenden Übertragungsraten liegen weit unter den einst versprochenen Werten. Wer das monatliche Datenvolumen überschreitet, darf dann noch einige Euro Trinkgeld drauflegen. Die Mobilfunker verweisen dann auf kommende neue Technologien wie den IP-basiertem Breitband-Richtfunk oder Long Term Evolution (LTE), den Nachfolgestandard von UMTS. Bei LTE ist allerdings ungewiss ob fahrplanmäßig bis Ende 2009 eine Einigung auf einen Standard zu Stande kommt. Der flächendeckende Ausbau wird vor 2011 oder 2012 aber nicht zu erwarten sein. Für strukturschwache Regionen, die im Ausbau der Kommunikationsnetze ihre letzte Chance sehen um wirtschaftlich aufzuholen, ein vages Versprechen.
Langfristige Perspektive
Währenddessen schläft die Festnetzkonkurrenz nicht. Der relativ neue VDSL2-Standard wird ab 2009 in Österreich eingeführt und die Telekom Austria will im Endausbau 750.000 Haushalte mit dieser Technologie an Breitband-Internet anschließen. Das soll vor allem dem ländlichen Raum ohne Glasfaser zu Gute kommen. In den urbanen Gebieten hat UPC in den letzten Jahren die Performance weiter gesteigert und gibt mit einer Flatrate und unbegrenztem Datenvolumen weiterhin die Messlatte vor.
Fraglich ist daher, ob öffentliche Gelder in den Ausbau von Mobilnetzen zu stecken, eine zukunftsweisende Investition ist. Die medialen Angebote und die Ansprüche der Benutzer entwickeln sich schneller als je zuvor, und eine Gemeinde die heute auf ein kostengünstigeres und angeblich wirtschaftlicheres Funknetz setzt, statt auf Leitungen, könnte in wenigen Jahren die anderen schon wieder an sich vorbeiziehen sehen.