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computer.at > Beiträge > Der Sonne entgegen - Solarhandys aus Japan
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Der Sonne entgegen - Solarhandys aus Japan
01.07.2009 14:20

Aus Japan kommen diesen Sommer wieder neue Modelle von Solarhandys auf den Markt. Für uns Europäer ist das noch lange kein Grund die Ladegeräte zu entsorgen. In Entwicklungsländern aber könnten die Extraminuten ohne Steckdose Gold wert sein.


Kleinere Elektrogeräte mit Solarzellen zu bestücken ist mittlerweile nichts besonderes mehr. Bei Mobiltelefonen verhindert noch der relativ hohe Strombedarf die Entwicklung völlig netzunabhängiger Geräte. Erste Versuche ein Handy teilweise mit Solarstrom zu versorgen, gab es schon im Jahr 2007. Damals stellte der chinesische Hersteller HTW mit dem S116 das erste Solarhandy vor. Eine Stunde Sonne sollte für 40 Minuten Telefonieren ausreichen, zwölf Stunden für einen vollen Akku. Dem Sonnenhandy war allerdings kein weltweiter Erfolg beschieden und so verschwand die Idee wieder in den Schubladen.

Bis zum Jahr 2009 sollte es dauern bis die Elektronikhersteller sich wieder an das Thema heranwagten. Sharp und Samsung werden im Sommer mit neuen Modellen auf den Markt kommen, die sich in Europa auf den ersten Blick wohl eher nicht durchsetzen werden.

 

Eine Stunde Sonne, zehn Minuten Telefonieren

 

Da wäre zunächst Sharps Solar Phone SH002, das bereits im Mai vorgestellt wurde.

Eine Stunde Aufladen bei einer Lichtstärke von 80.000 Lux (entspricht einem hellen Sonnentag) soll durchschnittlich acht bis zehn Minuten Telefonieren möglich machen. Eine vollständige Aufladung der Geräte würde derzeit noch bis zu 48 Stunden in Anspruch nehmen. Keine besonders aufregenden Parameter also, und selbst das wird mittlerweile in Frage gestellt. So waren mit dem Handy im Zuge von Tests der japanischen Nikkei Electronics Teardown Squad nach einer einstündigen Ladezeit nur drei Minuten Gespräch möglich. Also deutlich weniger als von Sharp versprochen. Der Ladevorgang passierte dabei unregelmäßig und wurde des Öfteren unterbrochen.

Im August soll ein zweites Solarmodell, der Sharp Solar Hybrid 936SH, auf den japanischen Markt kommen. Wie es sich genau vom SH002 unterscheiden wird, ist noch nicht bekannt.

 

Technisch abgespeckt

 

Das Solarhandy E1107 Crest Solar von Samsung, das im Juni auf den europäischen Markt gekommen ist, bietet da auch keine bessere Performance. Mit den Versprechungen sind die Koreaner aber etwas vorsichtiger. Nach einer Stunde Sonnenschein seien zwischen fünf und zehn Minuten Telefonieren möglich. Was die sonstigen Features angeht, ist das Crest eher einfach gestrickt: es handelt sich dabei um ein Dualband-Telefon für die GSM-Frequenzen 900 und 1.800 MHz mit einem LCD-Display mit 3,86 Zentimeter-Diagonale bei einer Auflösung von 128 mal 128 Pixel. Das Gerät weist keinerlei Smartphone-Features auf und wurde zuvor etwa in Indien schon als Solar Guru um 59 Dollar verkauft.

Auch Samsung hat ein weiteres Modell in Startposition, das im März auf dem Mobile World Congress 2009 vorgestellt wurde. Es wird aber erst Ende des Jahres in Europa auf den Markt kommen.

 

Neue Märkte

 

Die spärliche Ausstattung des Crest ist schon ein Hinweis darauf, dass hier viel mehr die Emerging Markets das Ziel sind als das technikverwöhnte Europa. Auch praktische Argumente lassen am Nutzen in unseren Breiten Zweifel aufkommen. Selbst wenn die Sonne wirklich scheint, wird es im Alltag nicht immer möglich sein, ein solches Handy dann auch lichtoptimal zu platzieren, schon gar nicht, wenn man es unterwegs in (Hosen-)Taschen herumträgt. Ist man angekommen, wird zwar auch schwächerem Innenraumlicht der Akku geladen, aber die Beleuchtungsstärke sinkt zu Hause oder im Büro auf 1000 Lux. Allenfalls die Schreibtischlampe in nächster Nähe, kann da noch etwas ausrichten, aber das macht das Kraut auch nicht wirklich fett.

In anderen Erdteilen wo eine Steckdose nicht selbstverständlich zu finden ist, aber Sonnenschein hingegen schon, können die Solarhandys eine echte Alternative darstellen. Beim derzeitigen Stromverbrauch der Geräte werden sich die Benutzer einstweilen auch dort kurz fassen müssen, wenn nicht mitten im Gespräch der Saft ausgehen soll.

 

Verfasst von Thomas Müller
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