Es war eine mit Hochspannung erwartete Debatte der Präsidentschaftsanwärter der demokratischen Partei im letzten Jahr. Bereits im Vorfeld hatten die amerikanischen Medien nach einem Zweikampf zwischen Obama und Clinton gerufen – und ihn auch bekommen. Clinton und Obama lagen sich nach wenigen Minuten in den Haaren, debattierten, dementierten und versuchten ihr Wahlprogramm im Wortgefecht zu verkaufen. Dem Dritten im Bunde, John Edwards, gelang es in der Auseinandersetzung erst spät einzuwerfen, dass er ja auch noch da sei. Zu spät. Er musste vorzeitig das Handtuch werfen um Platz für diejenigen zu machen, die die Presse auch sehen wollte.
Medien als kostenlose Werbeplattform
Die Taktik, die die Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf 2008 einsetzten - eine interne Auseinandersetzung zu PR-Zwecken zu vermarkten - war und ist keinesfalls nur in der Politik üblich. Auch der Machtkampf der beiden Software-Giganten SAP und Oracle liefert den Medien, die ja bekanntlich die vierte Macht im Staat darstellen, eine optimale Quelle für Skandalmeldungen jeglicher Art. Für Aufsehen sorgte etwa der Vorwurf von Oracle, die SAP-Tochter Tomorrow Now habe systematisch geschützte Daten von Oracle heruntergeladen, die nur für Kunden gedacht gewesen wären. Somit habe das Unternehmen eine Copyright-Verletzung im großen Stil begangen und Oracle damit „bestohlen“. Tomorrow Now wies die Anklage zurück und beteuerte, ganz legal gehandelt zu haben. Ähnlich erging es Dan Brown, der von Michael Baigent und Richard Leigh wegen seines Buches „The Da Vinci Code“ geklagt wurde. Die beiden Sachbuchautoren warfen Brown vor, Teile ihres Buches „Der heilige Gral und seine Erben“ abgekupfert zu haben. Im Endeffekt gewann Brown den „Plagiat-Prozess“ und durfte sich ebenso wie Baigent und Leigh über massiv gestiegene Verkäufe ihrer Bücher freuen.
Ganz so ergeht es SAP und Oracle zurzeit allerdings nicht. Bedingt durch die allgemein wirtschaftlich schlechte Lage, ist als logische Folge auch die Nachfrage nach ERP-Systemen und Software gesunken. Nach verschiedenen Angaben steckt Oracle die Krise zwar besser weg als der deutsche Konkurrent SAP, trotzdem ist der Software-Verkauf bei beiden Unternehmen stark eingebrochen. Als starke Einnahmequelle stellt sich jedoch gerade jetzt der Erlös aus Maintenance-Services heraus, denn: Auf Wartungsarbeiten an Systemen können Kunden auch in Wirtschaftskrisen nur schwer verzichten.
Aggressive Wachstumsstrategie von Oracle
Warum hier gerade Oracle die besseren Karten hat ist möglicherweise auf die aggressive Unternehmensstrategie zurückzuführen: Während SAP eher auf organisches Wachstum setzt, investierte Oracle seit 2005 34,5 Milliarden US-Dollar um Mitbewerber und potentielle Konkurrenten aufzukaufen. Im Jahr 2007 wurde das Softwareunternehmen „Hyperion Solutions“ für 3,3 Milliarden Dollar an Oracle verkauft. Die Erweiterung des Firmen-Portfolios sollte SAP-Kunden zu Oracle ziehen, SAP selbst setzte auf die durch den Kauf verunsicherte Kunden und bot ihnen einen Umstieg auf die eigenen Business-Intelligence-Lösungen an. Der nächste Clou folgte bald darauf mit der Übernahme von Sun Microsystems. Nachdem Mitbewerber IBM überraschend gescheitert war, legte Oracle mit einem Kaufpreis von 7,7 Milliarden US-Dollar vor und setzte sich durch. Sun entwickelte die Programmiersprache Java und war Besitzer der offenen MySQL-Datenbank die Oracle aller Voraussicht nicht weiter entwickeln wird. Der Grund dafür ist klar: Die durch die Zukäufe entstandenen Schulden tilgt Oracle in erster Linie mit Stellenabbau. Laut Toni Sacconaghi, Analyst von Sanford C. Bernstein werden 10.000 Beschäftigte ihre Stelle verlieren.
SAP kann bis auf das französische Unternehmen Business Objects das für 4,8 Milliarden Euro gekauft wurde, keine Großeinkäufe vorweisen. Ob das Unternehmen nach den Diebstahlsvorwürfen und dem Wachstumseinbruch weiter eine marktführende Position behalten kann gilt abzuwarten. Oracle drängt immer weiter in den europäischen Raum vor und versucht auch durch die „Oracle Academy“ die kostenlose Ausbildungen für Oracle-Datenbanken ermöglicht, Kunden zu binden. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten womöglich eine gute Investition der SAP Vergleichbares gegenüberstellen sollte.